Storytelling

In diesem Artikel der Charisma-Kategorie möchten wir Dir heute zeigen, wie Du mit Hilfe von Storytelling in Gruppen für Aufmerksamkeit sorgen kannst und andere davon überzeugst, dass Du ein interessanter Mensch bist, den es lohnt näher kennenzulernen.

Schon im letzten Artikel Kommunizieren mit Charisma haben wir kurz festgestellt, wie wichtig es ist, Deine Zuhörer zu begeistern. Die Kunst des Geschichtenerzählens ist eines der ältesten und besten Möglichkeiten, eine solche Begeisterung zu entfachen und erfolgreich zu kommunizieren. Deshalb haben wir uns einmal angeschaut, wie erfolgreiche Geschichten aufgebaut sind – und siehe da: Sie folgen alle ein und derselben Mechanik.

Das sogenannte Storytelling ist gar nicht so kompliziert, wie Du vielleicht denkst. Es gibt eigentlich nur drei Dinge, die Du unbedingt beachten musst, wenn Du in Zukunft Deine Storytelling-Fähigkeiten verbessern willst.

1. Hauptziel
2. Aufbau
3. Lebendigkeit

Das Hauptziel: Was willst Du mit der Geschichte erreichen?

Zunächst muss Dir klar sein, was der Kern Deiner Geschichte sein soll. Welches Ziel verfolgst Du mit Deiner Geschichte und wen willst Du überzeugen? Diesen Kern musst Du während der Geschichte nur im Hinterkopf haben, ihn aber nie offen aussprechen. Denn der Sinn des Storytellings ist es gerade, aus einem einfachen Gedanken eine unvergessliche Geschichte zu basteln, aus der der Zuhörer selbst einen entsprechenden Rückschluss ziehen kann. Hier ein paar Beispiele für Ziele von Geschichten:

  • Du möchtest jemanden zum Kauf eines Produkts überreden.
  • Du möchtest jemanden davon überzeugen, dass Du ein interessanter Mensch bist, den es lohnt näher kennenzulernen.
  • Du möchtest zeigen, dass Du mit Deinem Zuhörer mitfühlen kannst, weil Du eine ähnliche Geschichte erlebt hast.
  • Du möchtest Unterstützung für ein Projekt haben.

All diese Beispiele zeigen Dir, dass die Ziele meist eine übergeordnete Funktion haben, die nicht immer direkt mit der jeweiligen Geschichte zu tun haben. Deshalb ist es so wichtig, dass Du dieses Ziel trotzdem immer im Hinterkopf hast.

Der Aufbau und die Geschichte aller Geschichten

Der inzwischen verstorbene amerikanische Autor Joseph Cambell hat eine lange Zeit damit verbracht, die Mythen der verschiedenen Völker der Erde auf ihre Gemeinsamkeiten zu untersuchen, und hat etwas Erstaunliches festgestellt. Auf jedem Kontinent der Erde haben die Geschichten ein gleiches Grundmuster: Die Heldenreise. Immer muss ein Held auf einer langen Reise viele Aufgaben meistern, um am Ende als Person gereift zurückzukehren. Eine ausführliche Beschreibung der Heldenreise ist in seinem Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ nachzulesen.

Für unseren Storytelling-Aufbau wollen wir aber nur die Grundlagen berücksichtigen. Übrigens kannst Du die folgenden drei Elemente auch in fast jedem Hollywoodfilm beobachten.

Konfliktsituation

Jede gute Geschichte beginnt mit einer emotionalen Konfliktsituation. Die Hauptfigur steckt in einer Krise, muss sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden oder ist im jetzigen Alltag gefangen. Dieser Einstieg sorgt für den Spannungsbogen. Da wir alle solche Situationen kennen, können wir uns bestens in den Helden hineinversetzen. Wenn Du eine Geschichte aus Deinem Leben erzählen willst, musst Du nicht einen Drachen bezwungen oder dem Tod ins Auge gesehen haben. Kleine Konflikte genügen schon für eine interessante Geschichte.

Du hast die letzte Bahn zu Deinem wichtigen Vorstellungsgespräch verpasst.

Dein Auto bleibt bei strömenden Regen auf der Landstraße stehen.

Du stehst im Finale eines Wettbewerbs und hast plötzlich einen Blackout.

Wichtig ist vor allem, dass den Zuhörern sofort klar wird: Jetzt muss etwas passieren. Der normale Plan ist durcheinander geraten. Die Konfliktsituation ist für den Zuhörer der wichtigste Teil der Geschichte. Du musst sie deutlich „herausarbeiten“ und darfst nicht den Fehler machen, die Lösung sofort zu verraten. Lass den Zuhörer die Entwicklung miterleben.

Eine Reise mit Hindernissen

Im Anschluss folgt der Hauptteil der Geschichte. Der Held tritt nach einem ersten Schock zögerlich seine Reise an, um eine Lösung für den Konflikt zu finden. Es erwarten ihn weitere Prüfungen, ungeahnte Hilfe und überraschende Ereignisse. Wenn Du die Geschichte mit einer guten Konfliktsituation begonnen hast, ist dies der leichteste Teil, weil sich die Geschehnisse nun Schritt für Schritt weiter entwickeln. Nimm die Zuhörer mit auf die Reise zur Lösung des Problems.

Hier ein unausgeschmücktes Beispiel, wie die Geschichte mit dem Vorstellungsgespräch weitergehen könnte:

Nachdem Du die Bahn verpasst hast, bemühst Dich um ein Taxi, kannst aber keines finden. Du versuchst Deinen besten Freund zu erreichen, als Dir einfällt, dass er gerade in Spanien im Urlaub ist. Abgehetzt läufst Du nach Hause, um mit Deinem Fahrrad schnell durch den Verkehr zu kommen…

Du schilderst, wie Du versuchst, die Herausforderung zu lösen. Wenn Du eine wahre Geschichte erzählst, wird Dir das leicht fallen. Lass die fehlgeschlagenen Versuche nicht aus und springe nicht sofort zur Lösung. Wie spannend ist eine Geschichte, wenn Du die Konfliktsituation sofort auflöst und erzählst, dass Du den Job bekommen hast?

Die Lösung

Die Reise des Helden findet sein Ende. Er hat sich weiterentwickelt und ist vor allem auch innerlich gereift. Aus der neuen Perspektive kann die ursprüngliche Konfliktsituation sich auch von selbst gelöst haben. Was früher ein Problem war, ist heute durch die Transformation des Helden verschwunden. Wir lieben aber auch die Erfolgsgeschichten, bei denen der Held trotz aller Widerstände am Ende doch noch siegt.

Für Dich bietet die Lösung die Möglichkeit, Deinen Kerngedanken in einer Art Moral von der Geschichte zu verpacken. Welchen Schluss sollen die Zuhörer aus der Geschichte ziehen?

Der Zuhörer kann durch die Geschichte, genau wie der Held, eine neue Sichtweise gewinnen.

Das ist das eigentliche Ziel des Storytellings. Du kannst Menschen mit Geschichten viel besser von etwas überzeugen. Und während eine einfache Moral ohne dazu passende Geschichte oft schnell vergessen ist, bleibt eine gute Geschichte samt ihrer (impliziten) Moral lange im Gedächtnis hängen.

Der Geschichte mit Deinen Worten Leben einhauchen

Dein Gehirn kann zwischen dem Miterleben einer Geschichte und der Realität kaum unterscheiden. Das liegt daran, dass wir instiktiv das Erzählte im Kopf nachempfinden, während wir zuhören. Je mehr Du dabei die Sinne Deiner Zuhörer mit in die Geschichte einbeziehst, desto stärker ist die Wirkung. Versuche also eine Art Kopfkino zu erzeugen, indem Du ein detailliertes Bild schaffst.

Beschreibe Dein Herzklopfen und die Schweißperlen, die Du beim Verpassen der Bahn gespürt hast. Wie fühlen sich Wut, Enttäuschung oder Glück im Moment des Geschehens an? Erzähle, wie Du völlig außer Atem warst, das grelle Sonnenlicht Dich geblendet hat oder das langsam in Deinem Mund schmelzende Vanilleeis geschmeckt hat.

Je besser es Dir gelingt, die Erlebnisse zu beschreiben, desto mehr Einfluss wirst Du mit Deiner Geschichte haben!

Einen Fehler, den Du vermeiden solltest

Du weißt nun, wie Du eine gute Geschichte erzählen kannst. Aber selbst wenn Du alles richtig machst, kann es Dir passieren, dass Du nicht den gewünschten Erfolg hast. Meistens liegt das dann an einem Fehler: Du bist zum Schauspieler geworden. Wenn Du mit anderen Menschen kommunizierst, wollen sie nicht, dass Du nur eine Rolle spielst. Sie möchten spüren, dass Du glaubwürdig bist und es ehrlich meinst.

Selbst wenn Du eine eigene Geschichte erzählst, kannst Du unglaubwürdig sein!

Deine Geschichte wirkt gestellt und unecht, wenn Du eines der drei folgenden Dinge nicht beachtest:

  • Du fängst ohne Zusammenhang an, die Geschichte zu erzählen.
  • Du beziehst die Zuhörer nicht in die Geschichte mit ein.
  • Jeder Satz klingt wohl überlegt und einstudiert.

Alle drei Punkte kannst Du mit geschickten Fragen an die Zuhörer im Keim ersticken. Statt einfach mit einer Geschichte anzufangen, sagst Du: „Hab ich Dir schon von meinem letzten Vorstellungsgespräch erzählt?“ „Du wirst nicht glauben, was für ein Problem ich letzte Woche hatte!“ „Haben Sie sich schon mal gefragt, warum unser Produkt rot gefärbt ist?“ Sicher fallen Dir für Deine konkrete Geschichte Möglichkeiten ein, eine noch schönere Überleitung zu entwickeln.

Auch während des Storytellings musst Du immer wieder eine Verbindung mit den Zuhörern herstellen. Zum Beispiel so: „Jetzt rate mal, was als nächstes passiert ist!“ „Hast Du das auch schon mal erlebt?“ Auf diese Weise sorgst Du dafür, dass Du nicht der Entertainer bist, der ohne Pause redet. Du beziehst alle mit ein. Wenn Du die Geschichte so immer wieder unterbrichst, verliert sie auch den Schein des Einstudierten. Achte also immer darauf, jede Geschichte mit Zwischenfragen interaktiv zu gestalten!

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