Die Wahrheit über Optimismus und Erfolg

Wahrscheinlich hast Du folgendes schon einmal gehört: Optimismus hat positiven Einfluss auf Deine körperliche Befindlichkeit, Deine Glücksgefühle und sogar die Länge Deines Lebens. Als Optimist wirst Du seltener krank und zeigst im Vergleich zu Pessimisten im Durchschnitt deutlich bessere Leistungen. Warum kann Dir Optimismus also schaden? Und wie kannst Du es besser machen?

Das Stockdale Paradox

Jim Collins erzählt in seinem Buch „Der Weg zu den Besten“ eine sehr lehrreiche Geschichte von Admiral James Stockdale, der 7 Jahre in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft verbrachte und dort regelmäßig gefoltert und geschlagen wurde. Auf die Frage von Collins, wie er es schaffte zu überleben, antworte er:

Ich habe nie den Glauben an ein gutes Ende verloren. Und ich war fest davon überzeugt, rauszukommen und am Ende sogar als “Sieger” dazustehen. Ich wusste, dass die Erfahrung später zum Schlüsselerlebnis in meinem Leben werden würde.

Collins fragte weiter, wer nicht überlebte.

Das ist einfach, die Optimisten. Das waren diejenigen, die gesagt haben, „Bis Weihnachten sind wir wieder zu Hause.“. Und als Weihnachten vorbei war, hofften sie auf Ostern und dann Thanksgiving. Und schließlich war schon wieder Weihnachten. Sie starben an einem gebrochenen Herzen.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass positives Denken und unbegründeter Optimismus alle Probleme lösen können, zeigt diese Geschichte, dass eine uneingeschränkt positive Haltung eher ein Hindernis sein kann. Jim Collins nennt diesen Zusammenhang das „Stockdale Paradox“. Optimismus, der vollkommen realitätsfern ist, ist schädlich für uns. Denn wenn wir an etwas glauben, was mit der Realität nichts zu tun hat, ist die Enttäuschung größer als die eines Pessimisten, der schon zu Beginn keine Hoffnung hatte.

Falscher Optimismus

Was für das Überleben in einem Kriegsgefangenenlager gilt, hat aber auch im normalen Leben praktische Relevanz. Wer immer nur hoffnungsvoll und voller Freude das halbvolle Glas betrachtet, täuscht sich selbst und ist meist weit entfernt von einem erfolgreichen Leben. Denn oft machen unverbesserliche Optimisten den großen Fehler, nur auf ihre positive Lebenseinstellung zu setzen und Feedback von außen nicht mehr zuzulassen.

Es wird nie alles großartig und schön sein! Wenn Du nie traurig bist, vor wichtigen Präsentationen nicht nervös und ängstlich bist oder nie Frustration verspürst, bist Du nicht glücklich, sondern leer und emotionslos.

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Positives Denken reicht nicht!

Die Lösung lautet wenig überraschend allerdings auch nicht, dass Du von nun an als Pessimist durchs Leben ziehen sollst. Es geht stattdessen darum, einen gesunden Optimismus zu entwickeln, der auf einer positiven Lebenseinstellung basiert, die Realität aber nicht aus den Augen verliert.

Als gesunder Optimist glaubst Du trotz der Schwierigkeiten an ein gutes Ende, blickst aber gleichzeitig der bitteren Wahrheit der momentanen Situation ins Auge, egal, wie unangenehm diese ist.

Aber Achtung! Dieser gesunde Optimismus ist nur eine Zutat für ein erfolgreiches und glückliches Leben. Tal Ben-Shahar, einer der führenden Wissenschaftler auf dem Feld der Positiven Psychologie, zählt Leidenschaft und die Bereitschaft, hart an den eigenen Zielen zu arbeiten, neben einem gesunden Optimismus zu den zwei weiteren Säulen des Erfolgs. Verlasse Dich also nicht allein auf Dein positives Denken, auch wenn Du gleichzeitig der Realität ins Auge blickst.

Zum Thema Optimismus, der Säule, um die wir uns in diesem Artikel kümmern, sagt Ben-Shahar:

Ein realistischer Optimist ist ein Mensch, der nicht glaubt, dass alles zu seinem Besten passiert, sondern der versucht, das Beste aus den Geschehnissen zu machen.

Wird Dir der Unterschied zwischen den beiden Haltungen klar?

Wenn du glaubst, dass sich immer alles zum Besten wendet, musst Du wie die Kriegsgefangenen in Vietnam immer wieder mit einem gebrochenen Herzen leben. Wenn Du dagegen versuchst, das Beste aus dem zu machen, was das Leben Dir vorsetzt, bist Du in einer viel aktiveren Position. Du musst mit dieser Einstellung nicht alles passiv ertragen und hoffen, dass sich alles zum Besten wenden wird, sondern bleibst der Gestalter Deines Lebens.

Wie Du in drei Schritten zu einem gesunden Optimisten wirst

Wenn Du Dein Leben also aktiv gestalten und Deine (vielleicht momentan sogar unrealistischen) Ziele verwirklichen willst, wirst Du als gesunder Optimist den größten Erfolg haben. Mit diesem gesunden Optimismus durch das Leben zu gehen, müssen wir allerdings alle lernen, weil es sehr schwer ist, die Mischung aus Optimismus und Realität zu finden. Mit diesen drei Schritten kannst Du Deinen gesunden Optimismus aber stärken:

Schritt 1

Der erste Schritt ist, Menschlichkeit zuzulassen. Konkret bedeutet das, dass Du nach einem Misserfolg nicht alles positiv sehen musst und negative Gefühle nicht einfach mit anderen schönen Gedanken überdecken solltest. Wenn Du entäuscht oder wütend bist, lass es raus! Gestehe Dir zu, menschlich, also fehlbar zu sein.

Schritt 2

Erst danach folgt mit Schritt 2 der kritische Rückblick. Erfolgreiche Menschen versuchen, aus ihren Fehlern zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden. Dazu ist es auch wichtig, dass Du Menschen hast, die Dir ihre ehrliche und schonungslose Meinung sagen, damit Du nicht nur auf Deine eigene Wahrnehmung angewiesen bist.

Schritt 3

Im letzten Schritt begibst Du Dich in die Vogelperspektive Deines Lebens. Von dort aus wird Dir schnell klar, dass der Misserfolg nur ein kleiner Teil Deines Lebens ist und am Ende kaum Bedeutung haben wird. Es handelt sich nur um ein temporäres Ereignis und nicht einen permanenten Zustand. Wenn wir zum Beispiel bei einem sportlichen Wettkampf eine bittere Niederlage erleben, kann unser Leben ansonsten wunderbar sein. Im Moment der Niederlage werden wir das nicht bemerken. Aber nach einigen Stunden oder Tagen können wir mit anderen Augen auf dieses einzelne Ereignis schauen und das große Bild betrachten.

Als gesunder Optimist stehst Du also fest mit beiden Beinen im Leben und übernimmst aktiv mit positiven Wünschen die Gestaltung Deines Lebens. Dabei ist Dir klar, dass Rückschläge Teil des Lebens sind und Du von ihnen lernen musst, um langfristig erfolgreich zu sein. Versuche diese Einstellung mit den drei Schritten immer wieder zu üben!

5 Kommentare

  • Zum Thema falscher Optimismus: da hättest Du auch schön Der Mensch auf der Suche nach Sinn von Victor Frankl zitieren können. :)

    Falls Du das noch nicht kennst.. sehr empfehlenswert.

    Überigens.. super Seite! Ich wundere mich, daß ich sie noch gar nicht gefunden hatte.

    Das Bedürfnis, das wundervolle Gelernte zu teilen.. :)

    Jetzt werde ich mal ein wenig herumstöbern.

  • danke für die netten worte, andreas! ich kenne das buch von victor frankl natürlich, habe es aber noch nie gelesen… vielleicht wird es jetzt mal zeit!

  • Hallo Sven-Alexander,
    mir gefallen die Seiten BYB – ich arbeite seit einem Burn-Out an mir, wo ich nur kann.

    Dieser Beitrag habe ich mir mit dem Thema mit ‚Gute Vorsätze umsetzen‘ wieder mal zu einem Gesamtkonzept /Vortrag umgeschrieben!

    Was mir immer wieder auffällt ist, dass viele Menschen, die positiv Denken und Handeln möchten, das Wörtchen „aber“ ständig nutzen. Ich empfinde „aber“ als negativ und habe es aus meinen Wortschatz verbannt. Versuche es mal, ersetze ABER durch UND. Aber macht meiner Meinung nach aus dem vorher gesagtem Wort/Satz eine negative Aussage.
    Zitat aus deinem Text oben:
    „Es geht stattdessen darum, einen gesunden Optimismus zu entwickeln, der auf einer positiven Lebenseinstellung basiert, die Realität aber nicht aus den Augen verliert.“
    Es geht stattdessen darum, einen gesunden Optimismus zu entwickeln, der auf einer positiven Lebenseinstellung basiert UND die Realität nicht aus den Augen verliert.

    Klingt für mich positiver. Was meinst du?

    viele Grüße
    Dagmar

    • Ich bin deiner Meinung mit den worten wie „aber“ – „eigentlich“ – „vielleicht“ -das diese Fluchtwörter sind.
      Optimistische Wörter sind dagegen wie: “ jetzt “ – „gerade“ – „sofort“ es sind Wörter die uns im Handeln voran bewegen.

  • Nun, alles was extrem ausgeübt wird ist schädlich, sei es nun extremer Extremismus, wie in diesem Artikel beschrieben oder andere extreme Verhaltensweisen, wie zehn Liter Wasser am Tag zu trinken. Es gilt, für alles ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

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