Eigenes Fachwissen bringt die höchste Rendite

Das Geld zum Investieren liegt auf dem Konto und die große Frage lautet: „In welche Anlage soll ich das Geld investieren?“ Diese Entscheidung hängt von sehr vielen Faktoren ab (Die Grundlagen der Investition). Es gibt aber generell ein paar Dinge, die auf jede Form der Anlage zutreffen und deshalb unbedingt vorher berücksichtigt werden müssen. Um diese Erwägungen überhaupt anstellen zu können, musst Du Dir zunächst Fachwissen aneignen.

Es ist es extrem wichtig, niemals einfach blind Anlagetipps anzunehmen. Banken wollen oftmals nur ihre eigenen Produkte verkaufen, obwohl diese vielleicht nicht optimal zu Deiner Anlagepersönlichkeit passen (denn hier gibt es zusätzliche Provisionen). Schon mit ein wenig Fachwissen wirkst Du gleich kompetenter und wirst im Zweifel eine bessere Beratung erhalten. Denn wenn Du in der Lage bist, einem Berater qualifizierte Fragen zu stellen und Unklarheiten zu entdecken, wird Dir automatisch mehr zugetraut und zugemutet!

Noch besser ist es, wenn Du gleich eine unabhängige Beratung aufsuchst, für die Du zwar in der Regel etwas bezahlen musst, die dafür aber keine Provisionen für bestimmte Produkte kassiert. Auch hier kann solides Vorwissen natürlich nicht schaden. Grundsätzlich ist das Einholen einer zusätzlichen zweiten Meinung vor der Investitionsentscheidung sehr empfehlenswert.

Der Sprung von der Klippe

Gefährlich ist der Einstieg in eine Anlageform immer dann, wenn alle anderen auch gerade einsteigen. Dieser so genannte Herdentrieb verhindert oft, dass Du einen kühlen Kopf bewahrst und deshalb das machst, was alle machen. Du darfst nie in Panik verfallen oder Dich über eine verpasste Chance ärgern. Wer die Lage mit eigenem Fachwissen in Ruhe analysiert und sich nicht von den eigenen Gefühlen oder unrealistischen Gewinnversprechungen leiten lässt, steht am Ende am besten da.

Der Einstiegspunkt in eine Anlage ist vergleichbar mit dem berühmten Klippensprung in Acapulco. Dort springen Klippenspringer aus 26 Meter Höhe ins Meer. Das Problem neben der unmenschlichen Höhe ist, dass die Wellenbewegungen des Meeres für eine unterschiedliche Wassertiefe sorgen und ein Sprung zur falschen Zeit fatale Folgen haben kann.

Wer also über den Rand der Klippe in die Tiefe schaut, würde am liebsten dann springen, wenn die Bucht gerade schön mit Wasser gefüllt ist. Während der Flugzeit hat sich das Wasser aber schon wieder zurückgezogen, so dass mangels Wassertiefe lebensgefährliche Verletzungen drohen. Die Springer müssen deshalb ihrer Intuition entgegengesetzt in dem Moment von der Klippe abspringen, in dem das Meer gerade den Blick auf den steinigen Boden freigibt. Denn bis sie sicher unten ankommen, hat die nächste Welle die Bucht erreicht.

Behalte dieses Bild des Klippenspringers im Kopf, wenn Du eine Entscheidung über eine Investition triffst. Wenn gerade alle investieren/springen solltest Du zumindest skeptisch sein. Die Gefahr, dass es sich um eine Blase handelt und der Sektor in nächster Zeit einen Crash erleidet, ist dann deutlich größer.

Das Wissen ständig erweitern

Eine Investition in Wissen erzielt immer die höchste Rendite Benjamin Franklin

Bilde Dich also ständig weiter, indem Du zum Beispiel den Wirtschaftsteil einer guten Zeitung verfolgst und zusätzlich Kapitalmagazine liest. Denn dann kannst Du eigene Erwägungen anstellen und selbst beurteilen, ob eine Anlage die richtige Wahl für Dein Depot ist. Zu dem Thema der Risikostreuung und der optimalen Verteilung wird es hier bald einen Artikel geben.

Außerdem solltest Du Dich minimal eine Stunde pro Woche mit der Zusammensetzung und der Wertentwicklung Deines Vermögens beschäftigen. Verlasse Dich auch bei der Verwaltung Deines Geldes niemals auf einen Berater, sondern behalte selbst das Heft in der Hand. Idealerweise hilft Dir ein Vermögensberater beim Erreichen Deiner Ziele und gibt Dir sinnvolle Tipps, die Du anschließend selbst unter die Lupe nehmen kannst. Die Entscheidung musst Du aber letztendlich treffen. Und das fällt wesentlich leichter, wenn Du Dich mit eigenem Fachwissen selbst überzeugen kannst, die richtige Anlage gewählt zu haben.

3 Kommentare

  • Intuitiv möchte ich Ihnen natürlich zustimmen, Wissen ist Macht, ist Handlungsmöglichkeit. Dennoch halte ich es auch immer für angebracht, die andere Seite zu betrachten und sich mit Widersprüchlichkeiten auseinanderzusetzen. In einer jungen Studie (Luigi Guiso/Tullio Japelli 2006) kommen die beiden Autoren zu dem Ergebnis, das Fachwissen von Anlegern sich negativ auf ihre Portfolioperformance auswirkt. Also das Gegenteil dessen, was Sie in Ihrem Beitrag beschreiben.

    Die Studie zeigte, dass für die meisten Anlager mehr Informationen nicht nur nutzlos, sondern verlustbringend sind. Je mehr Zeit Anleger aufbringen, um ihr Wissen zu erweitern, desto schlechter entwickelt sich ihr Depot. Die Quintessenz: „Wer sein Depot mit vielen Informationen absichern will, fährt dabei noch lange nicht besser als Anleger, die sich wenig Mühe mit der Informationsbeschaffung geben.“ [zitiert nach unten angegebenem Artikel]
    Zum Weiterlesen.

    Artikel über die Studie:
    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/je-weniger-man-ueber-aktien-weiss-desto-besser/2728928.html

    Link zur Studie:
    http://www.csef.it/WP/wp212.pdf

    Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.
    Danke für Ihre Beiträge.

  • Interessanter Artikel.

    Zum Handelsblatt-Artikel (bzw. der Studie):

    ich denke, daß es hier 2 Arten von Wissen gibt: einmal das grundsätzliche Anlegerwissen um Technik, Aktienbewertung, Lesen von Bilanzen, … und auf der anderen Seiten das Wissen um die konkreten Daten einer (oder mehrerer Firmen).

    Ich würde behaupten, daß der Originalartikel eher auf die erste Art des Wissens, des allgemeingültigen Wissens, bezieht, während sich die Handelsblattstudie eher auf die zweite Art, also die konkreten Informationen über die aktuelle Marktsituation bezieht.

    Insofern kein Widerspruch, aber eine interessante Anregung zum Nachdenken.

    Nicht immer sind Zusammenhänge so einfach, wie man glauben würde, da hat Captain Cash vollkommen recht. Und gerade zu viel Nachdenken kann in vielen Situation schädlich sein. Das mag durch viel Wissen wahrscheinlicher werden, ist aber erstmal unabhängig, und viel Wissen sollte erst einmal nichts Schlechtes sein, man benötigt eben auch Wissen im Umgang mit dem Wissen (bzw. praktische Erfahrung im Umgang mit seinem Wissensschatz).

    Schön, daß sich hier noch weitere Handelsblatt-Leser herumtreiben. :)

    Ich glaube, so ziemlich jede Studie kommt auch zu dem Ergebnis, daß passiv gemanagte Portfolios oder sogar zufällig gewählte Werte sich besser entwickeln als aktiv und informiert gewählte Werte. Warum auch immer.. vermutlich hat es etwas mit Psychologie zu tun.

  • zwei wirklich interessante und qualifizierte beiträge! vielen dank!

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