Wie Du Deine wahre Leidenschaft findest

In „Die schwierige Kunst des Zielefindens“ haben wir festgestellt, dass es uns vor große Herausforderungen stellt, die wahren Ziele zu finden. Deshalb haben wir Dir geraten, nicht zu viel Zeit mit dem Finden Deiner ultimativen Ziele zu verbringen. Wichtig ist, dass Du überhaupt erst einmal mit den Zielen anfängst, die Du im Moment erreichen willst – egal wie banal oder spießig sie Dir erscheinen.

Das hilft Dir, weil Zieleerreichen eine Fähigkeit ist, die Du genauso lernen musst wie Kochen oder Autofahren. Und je mehr wir üben, desto besser werden wir.

Doch wie geht es weiter?

Wir wünschen uns alle ein Leben, das Spaß macht und erfüllend ist. Wir wollen inspirierende Ziele! Ein eintöniger Job und lästige Haushaltspflichten sind so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was wir uns vorstellen. Und doch geht es sehr vielen Menschen so, dass sie ihr Leben als eine bloße Aneinanderreihung von Verpflichtungen empfinden. Inspiration oder Leidenschaft finden darin kaum noch Platz.

Kein Wunder, dass Dir heutzutage immer mehr Zeitschriften und Bücher eine simple Lösung als Ausweg präsentieren wollen: „Folge Deinem Herzen“ oder „Finde als erstes Deine wahre Leidenschaft“. In diesem Artikel wollen wir Dir zeigen, warum dieser Ratschlag Dich auf den falschen Weg führt, meist sogar zu noch mehr Frustrationen führt und was Du stattdessen tun solltest.

Die Leidenschaftshypothese

Die Leidenschaftshypothese ist das große Versprechen, die moderne Sehnsucht nach einem erfüllten Leben lösen zu können. Sie geht von folgendem Grundsatz aus:

Finde als erstes heraus, wo Deine Leidenschaft liegt, und gestalte dann Dein Leben so, dass es zu dieser Leidenschaft passt.

Auf den ersten Blick scheint dieser Ansatz sehr plausibel: Dein Leben ist kurz genug ”“ nutze die Zeit nur für die Dinge, die Du wirklich liebst. Im Internet und vielen Zeitschriften liest Du ständig von Menschen, die offenbar genau diesen Weg eingeschlagen haben. Sie hatten den Mut, ihren langweiligen Job hinter sich zu lassen und haben sich zum Beispiel mit ihrem Hobby selbstständig gemacht. Jetzt sind sie glücklich und froh, ihr altes Leben gegen ein neues, spannendes Leben eingetauscht zu haben.

Aber ist das wirklich alles so einfach?

Cal Newport, Professor an der renommierten amerikanischen Georgetown University, hat sich mit genau dieser Frage ausführlich beschäftigt und seine Ergebnisse in „So Good They Can”™t Ignore You“ (dt. Die Traumjoblüge) zusammengefasst. Darin erklärt er, warum die Leidenschaftshypothese zum Scheitern verurteilt ist und wie Du stattdessen ein erfülltes Leben führen kannst.

Das Problem der Leidenschaftshypothese

Lass uns für einen kurzen Moment annehmen, Du möchtest Dein Leben mit der Leidenschaftshypothese besser in den Griff bekommen. Dann würdest Du glauben, dass in Dir eine bereits vorhandene Leidenschaft schlummert, die es in einem ersten Schritt zu entdecken gilt.

Die Folge: Du begibst Dich auf die Suche nach Deiner wahren Leidenschaft. Du willst allein Deinem Herzen folgen und bist Dir sicher, dass Du sofort bemerkst, wenn Du auf Deine Leidenschaft stößt. Doch wie viele Menschen kennst Du, die auf diese Weise ganz plötzlich ihre Bestimmung gefunden haben?

Ist es nicht so, dass Du mit diesem Ansatz immer auf der Suche nach der wahren Leidenschaft sein wirst? Wie willst Du sicher sein, dass das von Dir gewählte Studium oder Dein neuer Job wirklich Deine Leidenschaft ist? Das ist zumindest innerhalb kurzer Zeit nicht möglich. Die Konsequenz: Du wechselst auf der Suche nach Deiner persönlichen Leidenschaft ständig Deine Ziele, Jobs und Aufgaben.

Begeisterung und Leidenschaft entwickeln sich in den meisten Fällen erst im Laufe der Zeit ”“ nämlich dann, wenn Du in einer Sache richtig gut wirst. Und das dauert eine gewisse Zeit und erfordert zunächst viel Einsatz. Wenn Du allerdings nur darauf wartest, dass Du die eine Sache findest, die sofort Deine Leidenschaft entfacht, bleibst Du wahrscheinlich Dein Leben lang auf der Suche.

Und genau hier liegt das Problem: Wenn wir von einer Aufgabe zur nächsten springen, immer in der Hoffnung, endlich unsere wahre Leidenschaft zu entdecken, wird es nie etwas geben, in dem wir richtig gut werden. Leidenschaft kann sich so nämlich nicht entwickeln, weil sie erst am Ende der Straße wartet.

Leidenschaft wartet am Ende der Straße

Drei Bedingungen für wahre Leidenschaft

Wenn Dir die Leidenschaftshypothese aber nicht hilft, ist die Frage, wie Du stattdessen vorgehen solltest. Wie gestaltest Du Dein Leben so, dass Du liebst, was Du tust?

Cal Newport arbeitet in seinem Buch drei Bindungen für wahre Leidenschaft heraus:

  • Kreativität ”“ Kannst Du etwas Neues erschaffen und Dich von Deinen Ideen inspirieren lassen?
  • Nützlichkeit ”“ Veränderst Du das Leben anderer Menschen in einer positiven Weise?
  • Kontrolle ”“ Wie selbstbestimmt kannst Du Dein Leben führen?

Bei Menschen, die einer Sache mit viel Leidenschaft nachgehen, wirst Du alle oder zumindest zwei dieser Eigenschaften vorfinden. Was Dir vielleicht sofort auffällt, ist, dass eine Kombination von Kreativität, Nützlichkeit und Kontrolle gerade im Berufsleben ziemlich selten zu finden ist.

Vielleicht kennst Du das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Wenn Du etwas Seltenes willst, musst Du im Gegenzug auch etwas Wertvolles anbieten. Deshalb bringt uns die Leidenschaftshypothese nicht weiter. Sie ist beruht auf einer stark egoistischen Sichtweise. Wir wollen das Seltene, ohne es uns verdient zu haben. Wie wäre es, wenn Du Dich stattdessen darauf konzentrierst, wie Du etwas Wertvolles anbieten kannst?

Statt bei jeder Tätigkeit zu fragen, was sie Dir bieten kann, solltest Du Dich als erstes darauf konzentrieren, was Du anderen anbieten kannst.

Niemand schuldet Dir eine Traumkarriere oder ein erfülltes Leben. Das musst Du Dir mit Deinen Fähigkeiten selbst verdienen.

Leidenschaft „rückwärts“ finden

Wenn Du Dein Leben mit mehr Leidenschaft leben willst, musst Du Dir das erarbeiten. Du musst zuerst mit vollem Einsatz selbst „wertvoller“ werden, damit Kreativität, Nützlichkeit und Kontrolle in Deinem Leben eine größere Rolle spielen können. Leidenschaft entsteht, wenn Du genug in Deine Fähigkeiten investiert hast. Deshalb hilft Dir die Leidenschaftshypothese nicht weiter.

Vergiss die Suche nach Deiner wahren Leidenschaft und konzentriere Dich stattdessen auf das Besserwerden ”“ egal was Du tust!

Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick nicht so attraktiv wie „Folge als erstes Deinem Herzen“ sein. Doch er befreit uns davon, unserer vermeintlich angeborenen Leidenschaft nachjagen zu müssen. Denn mit dieser leistungsorientierten Einstellung „Ich gebe immer mein Bestes“ entdeckst Du Deine Leidenschaft rückwärts. Statt Dich erst dann voll reinzuhängen, wenn Du Deine Leidenschaft gefunden hast, nutzt Du die „Lehrjahre“, um die Bedingungen für Deine Leidenschaft zu schaffen.

Das erklärt, warum zum Beispiel ein Abteilungsleiter, der glaubt, seine Leidenschaft sei das Romanschreiben aber noch nie ein Manuskript verfasst hat, nach seiner Kündigung scheitert. Er ist zwar seinem Herzen gefolgt, hat aber nicht die notwendigen Fähigkeiten erworben, um sein Leben jetzt als Autor zu bestreiten. Glaubst Du er wird noch mit Leidenschaft an seinem ersten Roman arbeiten, wenn die finanziellen Rücklagen irgendwann aufgezehrt sind und er keinen Verlag von einer Veröffentlichung überzeugen kann?

Wie sieht es dagegen für die Lehrerin aus, die fast jede freie Minute für die Fotografie nutzt und nebenbei auf ein paar Geburtstagsfeiern die ersten halb professionellen Bilder macht. Sie hat über viele Jahre ihr praktisches Wissen verfeinert und wird immer besser. Sie liebt nicht nur das Fotografieren, sondern hat auch endlose Stunden harte Arbeit in die Verbesserung ihrer Fähigkeiten gesteckt. Die Erfolgschancen liegen viel höher.

Diese beiden Beispiele sollen nicht den Eindruck erwecken, dass Du etwas vollkommen anderes tun solltest als bisher. Wenn wir unseren Beruf mit vollem Einsatz angehen und in unserer Entwicklung nie stehen bleiben, können die drei Bedingungen sich natürlich auch hier entwickeln. Dir sollte nur klar sein, dass Du am Anfang ohne viel Wissen und Können in keinem Gebiet sofort ein Gefühl der Leidenschaft entwickeln wirst.

Zwei Dinge, die Du jetzt tun solltest

Leidenschaft entsteht vor allem, wenn die drei oben genannten Bedingungen in Deinem Leben erfüllt sind. Bewerte Dein Leben auf einer Skala von 1-10 für Kreativität, Nützlichkeit und Kontrolle. In welchem Bereich kannst Du Dich verbessern und wie viel hast Du bist jetzt investiert, um wirklich „wertvoll“ für andere Menschen zu sein?

Wie kreativ und nützlich kannst Du momentan sein? Wie eigenverantwortlich kannst Du Dein Leben führen?

Wir schlagen Dir jetzt zwei Dinge vor:

  1. Überlege Dir, wie Du in den nächsten zwei Jahren die Bedingungen für mehr Leidenschaft schaffen kannst. Was kannst Du ändern und worin musst Du noch besser werden?
  2. Gib jeden Tag Dein Bestes und konzentriere Dich darauf, Fähigkeiten zu erwerben, die selten und für andere Menschen wertvoll sind.

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