Mindmapping

Das menschliche Gehirn kann unglaublich große Datenmengen speichern – keine Festplatte wird in naher Zukunft auch nur annähernd die Speicherkapazität unseres „Bordcomputers“ erreichen. Entscheidend für erfolgreiches Lernen ist also nicht, sich „mehr zu merken“ als andere; das zu lösende Problem besteht vielmehr darin, dass nur auf einen sehr kleinen Teil der von uns abgespeicherten Informationen geordnet zugegriffen werden kann.

Das Gedächtnis – ein schlampiger Zeitgenosse

Beim Lernen von trockenen Informationen äußert sich das oft darin, dass zwar nach dem Lesen des Materials ein gewisses Grundgefühl für das Thema zurückbleibt; der Zusammenhang der einzelnen Informationen wird aber oft so schnell vergessen, dass schon nach ein paar Tagen nicht mehr viel bewusst reproduziert werden kann. Das liegt vor allem daran, dass das Gehirn die Informationen nicht in „logischer“ Weise strukturiert; Grammatikregeln zum Beispiel mögen für Sprachforscher interessant und als Diskussionsgrundlage nützlich sein, wenn uns das Gefühl mal im Stich lässt. Jeder Mensch spricht aber intuitiv aus einem Hörverständnis heraus, dass sich erst durch das Hören vieler Sätze gebildet hat, also „empirisch“ funktioniert.

Mind-was?

Wie kann man nun diese Erkenntnis für ein effektiveres Lernen nutzen? Hier hat das Gehirn selbst eine Lösung gefunden: Durch Schlagworte, so genannte „chunks“, kann ein Inhaltsverzeichnis geschaffen werden. An diesen Schlagwörtern hängen dann weitere Assoziationen; man hangelt sich also an diesen Begriffen entlang. Hier setzt auch das „Mindmappen“ an. Ein Thema wird über einen zentralen Begriff eröffnet, an dem sich dann immer feinere Verästelungen fortsetzen. Die Begriffe können durch zusätzliche Techniken stärker im Gedächtnis verankert werden, zum Beispiel durch das Verwenden von Farben, Bildern oder lustigen Assoziationen.

Mindmapping ist nur eine Hilfsmethode!

So weit, so gut. Zu beachten ist aber: Mindmapping wird oft als Allheilmittel angepriesen. Lernenden wird empfohlen, den gesamten Stoff in Form von Mindmaps aufzunehmen. Es wird der Eindruck erzeugt, über Schlagworte hinaus gehendes sei überflüssig. Dieser Ansatz ist brandgefährlich! Wie oben erwähnt arbeitet das Gehirn Informationen nicht in logischer Reihenfolge ab; der entscheidende Lernfortschritt ist also gerade bei komplexen Fachgebieten nicht das Beherrschen der Schlagworte, sondern das „Gefühl“ für ein Thema. Dieses stellt sich aber gerade nicht durch das reine Auswendiglernen von Schlagworten ein, auch wenn so schnell das Gefühl entsteht, den Stoff verstanden zu haben. Dieses Gefühl ist falsch! Verständnis kommt erst über die „Vertiefung“ des Themas – also über das Erarbeiten einer großen empirischen Datengrundlage, zum Beispiel durch das Lesen vieler Texte, das Schreiben vieler Zusammenfassungen, Sinnieren über das Gelesene. Nur wenn beide Ansätze, die breite Erfahrungsgrundlage und der systematische Zugriff, kombiniert werden, kann mit dem Erlernten sinnvoll gearbeitet werden.

Mindmap Beispiel

Die Umsetzung

Ob man Mindmaps handschriftlich oder am Computer erstellt, ist natürlich grundsätzlich reine Geschmackssache. Eine Erstellung am Computer hat aber den Vorteil, dass man leicht sehr komplexe Mindmaps erstellen kann, ohne Probleme Stellen entfernen und hinzufügen und die Mindmap dann per Autofunktion reorganisieren kann. Gute Freeware – Programme sind leider selten; beliebt ist die Freeware – Fassung 2006d des Programms InfoRapid KnowledgeMap. Im kommerziellen Bereich führend sind die beiden Programme ConceptDraw Mindmap (s. Bild) und MindManager.

Einsatzgebiete

Benutzen lassen sich Mindmaps vor allem für kreatives Brainstorming, die Verwendung bei Präsentationen und Diskussionen und zur Vorbereitung auf Prüfungen.

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