Bunt ist meine Lieblingsfarbe – Entspannt und effektiv von anderen Kulturen lernen

Die Welt um uns herum ist so spannend bunt.

Gerade die Vielfalt der Kulturen in unserer Gesellschaft gibt uns einen unschätzbaren Wert, den Du entweder anzapfen, übersehen oder Dich sogar über ihn ärgern kannst.

Hallo, ich bin Johannes und habe mehrere Jahre in internationalen Teams in England und im Libanon gearbeitet. In Deutschland habe ich eine Organisation gegründet und mit vielen Menschen anderer Kulturen zu tun gehabt. Seit über 12 Jahren bin ich mit meiner lieben Frau aus Singapur verheiratet und wir sprechen drei Sprachen zu Hause.

All das hat mein Leben sehr bunt gemacht. Denn aus allen Erfahrungen, Begegnungen und natürlich auch aus meiner Ehe kann ich so viel lernen.

Wenn ich denn will!

Dabei muss ich an Vera Birkenbiehl denken, die ein hervorragende Trainerin in Sachen gehirngerechtes Lernen war. Lernen erklärte sie häufig mit dem Begriff SPIEL. Von hinten nach vorne steht das Wort für Lernen Ereignet sich Immer dann, wenn etwas Passiert, das Spannend ist oder Spaß macht.

Und jetzt kommt das Spannende, der Spaß, das Spiel.

Wir alle haben Kontakte zu Menschen anderer Kulturen. Du arbeitest mit ihnen zusammen, gehst in dieselbe Uni, triffst sie beim Einkaufen. Vielleicht bringt sogar Dein Partner eine andere Kultur mit in Eure Beziehung. Die Gelegenheiten sind grenzenlos.

Und jedes Ereignis ist eine Gelegenheit, dass Du etwas lernst und dies für Dich nutzt – ganz nach dem Motto „be your best“!

Deshalb will ich Dir hier zwei Tipps weitergeben, wie Du Dir ein SPIEL daraus machst und dafür sorgst, dass bei einem Ereignis mit Menschen anderer Kulturen etwas mit Dir passiert, das Du als spannend empfindest und dir Spaß macht.

Tipp 1: Bleib nüchtern!

Vor Jahren habe ich eine Geschichte von einem neu nach Deutschland gezogenen Mann aus Afrika gelesen. Bestürzt erzählte er einem anderen Landmann, dass die Deutschen ihn nicht mögen. Warum? Jedes Mal, wenn er in ein Zugabteil kommt, reden die Menschen nicht mit ihm und sind ganz schweigsam.

Er wusste nicht, dass Menschen in Deutschland, die sich nicht kennen, nur sehr selten miteinander reden. Die Leute haben nicht plötzlich aufgehört zu reden, als er das Zugabteil betrat. Sie haben auch vorherschon nicht miteinander gesprochen.

In Afrika dagegen wird jede neue Person willkommen geheißen. Fremde Menschen reden wie selbstverständlich miteinander, es herrscht eine enorme Lautstärke im Zug.

Der Afrikaner war enttäuscht und frustriert, weil er das Verhalten nach afrikanischen Maßstäben beurteilte.

Genauso geht es auch uns Deutschen oft mit anderen Kulturen. Wir erleben etwas und bewerten die Sache gleich negativ, frustriert oder beurteilend. Eben nach unseren eigenen persönlichen Maßstäben und Erfahrungen.

Die erste und wichtigste Lektion, die ich in meinem Studium der Intercultural Studies gelernt habe, ist folgende: Keine Kultur ist schlechter oder besser, sondern einfach nur anders. Und aus jeder Kultur kann ich eine Menge lernen und für mich anwenden. Wir können uns gegenseitig bereichern und voneinander lernen.

Wenn wir uns darauf einlassen.

Das Gute ist: Du bleibst dabei noch wesentlich entspannter. Anstatt Dich über das Andersartige aufzuregen, denkst Du: „Ach, das ist ja interessant. Mal so ganz anders. Ob ich hier vielleicht sogar etwas Neues lerne?“

Diese Einstellung baut eine wichtige Basis, damit aus Deinen Begegnungen ein SPIEL wird. Denn als Deutsche sind wir ”“ genau wie jede andere Kultur auch ”“ sehr schnell geneigt, unseren deutschen Maßstab an die Denkweise und das Verhalten anderer anzusetzen. Somit werten wir viele Verhaltensweisen zu schnell ab, verkrampfen dabei auch noch und übersehen den Schatz, der direkt vor unseren Augen ist.

Fazit: Bewerte das Andere nicht gleich als gut oder schlecht, sondern einfach als spannend anders.

Tipp 2: Mache den anderen zu Deinem Lehrer!

Für manche Seminare zahlst Du schnell einige tausend Euro. Information ist teuer und wertvoll. Nun, was wäre wenn Du das Wissen zahlloser Trainer, Experten und Lehrer kostenlos anzapfen könntest? Genial oder?

Genau das ist möglich. Dazu musst Du nur die richtige Einstellung haben und die Experten anzapfen, mit denen Du Dich jeden Tag umgibst.

Eine coole Geschichte!

Hierzu eine Geschichte, die de Bono in einem seiner Bücher erzählt:

„Dem fünfjährigen Jungen Johnny in Australien boten dessen Freunde eine 1-Dollar- und eine 2-Dollar-Münze zur Auswahl an. Die 1-Dollar-Münze war viel größer als die 2-Dollar-Münze und Johnny griff nach dem größeren Geldstück. Seine Freunde lachten und kicherten über Johnnys Dummheit. Immer wenn sie sich über Johnny lustig machen wollten, stellten sie ihn vor dieselbe Wahl. Er lernte es nie. Er nahm immer die größere Münze.

Eines Tages sah dies ein Erwachsener und hatte Mitleid mit Johny. Er rief ihn zu sich und erklärte ihm, dass die kleinere Münze, obwohl sie kleiner war, eigentlich doppelt so viel wert war als die größere. Johnny lächelte, dankte ihm höflich und erwiderte dann: „Das weiß ich schon. Aber wie oft hätten die anderen mir die Münzen noch angeboten, wenn ich die 2 Dollar schon beim ersten Mal genommen hätte?“

Ha, Johnny war clever genug, um langfristig zu denken!

Aber was hat das mit diesem Thema zu tun?

Nun, zu schnell sind wir geneigt, anderen Menschen unsere Meinung aufzudrücken oder ihnen zu erklären, wie man das hier so macht. Wir spielen die Rolle des Oberlehrers. Und ein Oberlehrer lernt nun mal nicht, sondern bringt dem anderen etwas bei. Lernen muss der andere.

Menschen aus z.B. vielen asiatischen Ländern gehen hier ganz anders vor. Sogar wenn sie vieles wissen und dem anderen überlegen sind, spielen sie sich doch kaum als Oberlehrer auf, sondern schlüpfen in die Rolle des Schülers. Sie fragen nach, lernen von ihrem Gegenüber, lassen sich etwas sagen, ohne gleich zu kontern und dadurch die Chance des Lernens zu verpassen.

Meine Frau hat es echt drauf!

Wie oft habe ich schon fasziniert beobachtet, wie geschickt und einfühlsam meine Frau anderen Menschen gegenüber aufgetreten ist. In unzähligen Fällen besaß sie mehr Fachwissen, hatte mehr Erfahrung und Einsichten als ihr Gegenüber, was das Gesprächsthema anging. Trotzdem sprach meine Frau so geschickt mit ihrem Gegenüber, dass dieser sich erstens sehr respektiert fühlte und zweitens ihr Wissen bereitwillig mit meiner Frau teilte.

Meine Frau ging nach Hause und hatte wieder einmal etwas von anderen gelernt. Aber damit nicht genug, denn gleichzeitig hatte sie das Herz eines anderen Menschen gewonnen und dieser Person etwas wirklich Gutes geschenkt ”“ nämlich Aufmerksamkeit.

Das wollen wir doch alle!

Denn sind wir einmal ehrlich. Wir alle haben ein unersättliches Verlangen, gehört zu werden. Wir möchten verstanden sein und respektiert werden. Menschen, die uns ihr Ohr leihen, sind uns in der Regel wesentlich angenehmer als Menschen, die uns belehren wollen.

Oder wie es jemand ausdrückte:

 „Es gibt viele, die uns etwas einreden wollen, und wenige, die uns ausreden lassen.“

 Wenn Du dir diese Art des zuhörenden und lernen-wollenden Umgangs aneignest, dann hast Du gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  1. Du zeigst der anderen Person Respekt und stärkst Beziehungen.
  2. Gleichzeitig hast Du dem anderen noch ein wertvolles Geschenk gemacht.
  3. Nicht zuletzt hast du als „Schüler“ etwas dazu gelernt und Dich wieder ein Stück weiterentwickelt.

Hinzu kommt noch ein weiterer Bonus. Ich arbeite als Coach mit dem Schwerpunkt „Entspannt leben statt Burnout“. Nun, es sind ja oft Beziehungen und das Verhalten anderer, die uns stressen wollen. Wenn Du allerdings das so ganz andere Verhalten der anderen nicht als frustrierend sondern als spannende Lern-Gelegenheit ansiehst, bleibst Du wesentlich entspannter. Denn Du musst hier keine Diskussion gewinnen oder den anderen überzeugen, sondern willst einfach nur mal die Welt aus den Augen des anderen betrachten.

Auf diese Weise wirst Du wie der kleine Johnny ganz entspannt immer wieder kleine „Münzen“ in Form von Ideen, Konzepten und Wissen sammeln und Dich ständig weiterentwickeln.

Ganz klar ”“ das heißt natürlich nicht, dass Du Deine Stärken verheimlichst und duckmäuserisch immer nur den Unwissenden spielst. Aber es heißt, dass Du bewusst das Wissens-Potential und den Erfahrungs-Schatz der anderen anzapfst und interessiert nachfragst. Du wirst erleben:

Dein Leben wird bunter!

Du entwickelst Dich weiter!

Du lebst Deine Devise: „Be your best!“

2 Kommentare

  • Und wieder, wie so oft, ein wundervoller Blogbeitrag.

    Allerdings ist dieser Blogbeitrag für mich einer der besten seit langer Zeit da er mir einen Blickwinkel zeigt den ich bisher noch gar nicht kannte.

    Vielen vielen Dank dafür.

    Gruß
    Christian

  • Wirklich ein sehr guter Beitrag. Ich werde mich hier mal etwas genauer umsehen. ;)
    Ich gehe auch meist aufgeschlossen und interessiert auf meinen Gesprächspartner zu, irgendwie aus Gewohnheit. Es ist definitiv sehr nützlich wenn man seinen Horizont erweitern will, nur schade, dass so viele Menschen in Gesprächen immer nur verkrampft auf ihre Meinung setzen und diese tollen Gelegenheiten verpassen…

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