Ziele erreichen, auch wenn es schlecht läuft

Hast Du Dich schon einmal mit Absicht nicht auf die Waage gestellt, weil Du nicht wissen wolltest, dass Du ein paar Kilo zugenommen hast? Oder bist Du einem klärenden Gespräch aus dem Weg gegangen, um Kritik zu vermeiden? Hast Du vielleicht bei einem Deiner Ziele einfach sprichwörtlich den Kopf in den Sand gesteckt, um Dich vor unangenehmen Wahrheiten zu schützen?

Wir alle tun das! Und zwar ständig. Eine kürzlich veröffentlichte Studie britischer Psychologen und Neurowissenschaftler kommt deshalb zu einem wenig überraschenden Ergebnis: Wir holen uns äußerst ungerne Feedback, wenn wir glauben, dass dieses Feedback negativ ist.1

Doch das ist gerade für das Erreichen von großen Zielen und längeren Projekten ein Problem. Denn besonders wenn es schlecht läuft, brauchen wir dringend eine klare Rückmeldung, damit wir einen anderen Weg einschlagen können. In diesem Artikel geht es deshalb darum, wie es uns gelingt, den Kopf wieder aus dem Sand herauszuziehen und mit klarem Blick nach vorne zu schauen.

Warum wir den Tatsachen ungerne ins Auge schauen

Wir alle haben ein Bedürfnis nach Wachstum. Wir wollen besser werden und Neues dazulernen. Wenn wir merken, dass wir gut vorankommen, ist das Messen der Fortschritte eine unserer Lieblingsübungen. Du kennst das bestimmt auch: Bei positiven Ergebnissen willst Du am liebsten der ganzen Welt davon erzählen.

Stimmen die purzelnden Kilos, die stetig steigende Seitenzahl Deines Buchprojekts oder die hinzugewonnenen Kunden mit Deinen Erwartungen überein, ist alles in Ordnung. Sobald wir aber vermuten, dass unsere Leistung diese Erwartungen nicht erfüllen kann, verschwiegen wir diese nicht nur gegenüber anderen sondern vor allem auch gegenüber uns selbst. Wir stecken den Kopf in den Sand. Aber warum?

Unser Wunsch, ständig besser zu werden, steht im Konflikt mit dem Wunsch, ein positives Bild von uns zu behalten. Wir wollen nicht hören, dass wir unserem Ziel trotz viel Engagements nicht näher gekommen sind. Wir wollen weiter daran glauben, dass alles besser wird.

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Foto: Jenny Kaczorowski / flickr.com

Wenn wir viel Zeit und Mühe in ein Projekt gesteckt haben und es trotzdem scheitert, greift das unser Selbstvertrauen an. Wir zweifeln an unseren Fähigkeiten und im schlimmsten Fall an uns selbst. Unser Plan ist nicht aufgegangen und wir müssten eigentlich einen neuen machen. Wesentlich bequemer ist es, einfach die Augen vor den Tatsachen zu verschließen und uns nicht selbst in Frage zu stellen.

Die Folge ist, dass wir unsere Fortschritte oft gar nicht nachverfolgen – und so unter Umständen weiter Dinge tun, die uns nicht weiterhelfen. Selbst wenn Rückschritte offensichtlich sind, gelingt es uns immer wieder, sie zu übersehen oder notfalls schönzureden.

Während Du das hier liest, ist Dir natürlich vollkommen klar, dass das Kopf-in-den-Sand-Stecken keine geeignete Lösung ist, um erfolgreich zu sein. Aber wenn es um die Bewertung unserer persönlichen Leistungen geht und wir mitten im Geschehen sind, interessiert uns das oft nicht. Wir brauchen eine Lösung:

Wie Du den Kopf aus dem Sand ziehst

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, die eigenen Fortschritte sichtbar zu machen. Du solltest bei jedem wichtigen Ziel mindestens eine Sache finden, die Du messen kannst. Das musst Du sowieso tun, wenn Du Deine Ziele SMART formulieren willst.

Doch lass uns heute das „Kopf in den Sand“-Problem angehen.

Wir haben eben schon über den inneren Konflikt gesprochen. Wir sind hin- und hergerissen zwischen dem Sammeln von Informationen, die für unser Ziel hilfreich sein könnten, und der Vermeidung dieser Informationen, um uns besser zu fühlen.

Das ist vergleichbar mit einer Diät, bei der Du versuchst, auf Schokolade zu verzichten. Du weißt, dass Du keine Schokolade essen solltest, aber nach einem anstrengenden Tag ist die Versuchung unglaublich groß, doch ein kleines Stückchen zu essen. Es gibt einen inneren Konflikt zwischen Deinem Diätziel und Deinem Verlangen nach etwas Süßem. Wenn Du erfolgreich sein willst, benötigst Du sehr viel Disziplin, um diesem Verlangen nicht nachzugeben.

Den Kopf vor unangenehmen Wahrheiten in den Sand zu stecken, ist genauso verführerisch wie die Schokolade. Besonders nach einem anstrengenden Tag wirst Du Dich unbequemen Wahrheiten nur ungerne stellen wollen. Wenn Du Deine Fortschritte ehrlich bewerten und die notwendigen Schlüsse daraus ziehen willst, ist ein großes Maß an Selbstdisziplin notwendig. Unsere erste Maßnahme ist deshalb folgende:

Fortschritte morgens bewerten

Vielleicht hört es sich für Dich auf den ersten Blick nicht besonders gut an, gleich nach dem Aufstehen darüber nachzudenken, was bei Deinen Zielen alles schief läuft. Aber Du bist morgens nach dem Schlafen gut erholt und verfügst im Vergleich zum Ende eines anstrengenden Tages über sehr viel Willenskraft. Es wird Dir also viel besser gelingen, den inneren Konflikt so zu lösen, dass Du der Wahrheit ins Gesicht blickst.

Du hast diese Erfahrung mit Sicherheit schon häufig gemacht. Je länger der Tag andauert, desto schwerer fällt es Dir, Entscheidungen zu treffen oder zum Beispiel auf Schokolade und Chips zu verzichten. Deine Willenskraft ist abends fast vollkommen aufgebraucht. Da hast Du garantiert keine Lust, Dich auch noch mit irgendwelchen Zielen auseinanderzusetzen – vor allem wenn Du annimmst, dass es nicht gut läuft.

Morgens bist Du dagegen frischer im Kopf und Du hast auch noch die Möglichkeit, an dem Tag selbst etwas zu ändern. Während Du abends enttäuscht ins Bett gehen musst, liegt der Tag morgens noch vor Dir und Du kannst voller Tatendrang einen neuen Weg einschlagen. Unterschätze diese Psychologie nicht!

Früh anfangen und regelmäßig wiederholen

Für das Erreichen Deiner Ziele ist das regelmäßige Festhalten Deiner Fortschritte unglaublich wichtig. Erst so erkennst Du, was gut und was schlecht läuft. Je länger Du damit wartest, ein erstes Zwischenfazit Deiner Fortschritte zu ziehen, desto größer könnte auch die Enttäuschung sein. Schau Dir einmal folgende Grafik an:

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Sie zeigt Dir, dass frühe und regelmäßige Zwischenstände nur ein geringes Enttäuschungspotential mit sich bringen und auch langfristig das Risiko einer Enttäuschung reduzieren. Und zwar aus zwei Gründen:

  1. Abweichungen sind gering: Wenn Du früh (und anschließend immer wieder) überprüfst, ob Dein Plan aufgeht, kann die Enttäuschung nicht besonders groß sein, weil Du ohnehin noch nicht viel geschafft hast – in die positive oder die negative Richtung. Dementsprechend locker wirst Du das erste Zwischenergebnis nehmen.
  2. Frühe Korrekturen möglich: Solltest Du bemerken, dass der eingeschlagene Weg nicht nach Deinen Vorstellungen verläuft, kannst Du schnell korrigierend eingreifen. So vermeidest Du, dass Du Deinen Zielen für einen längeren Zeitraum nicht näher kommst.

Du siehst also, wie hilfreich es ist, früh und regelmäßig ein Zwischenfazit zu ziehen und dann gegebenenfalls den Plan etwas zu ändern. Achte aber auch darauf, dass Du Deine Fortschritte nicht zu häufig misst. Es muss in der Zwischenzeit zumindest eine realistische Chance bestehen, dass sich etwas verändert hat. Wenn Du zum Beispiel drei Mal am Tag Dein Gewicht überprüfst, bringt das überhaupt nichts.

Such Dir deshalb einen festen zeitlichen Abstand, zu dem du IMMER Deine Ergebnisse misst; zum Beispiel jeden Montag Morgen.

Die Bedeutung der Zahlen hinterfragen

Zum Abschluss noch ein wichtiger Hinweis. Wenn Du täglich die Seitenzahl Deines Buchprojekts misst, einmal die Woche Dein Gewicht überprüfst oder monatlich Deine gelaufenen Kilometer zusammenzählst, bist Du auf dem richtigen Weg. So erkennst Du frühzeitig, ob Du Fortschritte machst – oder nicht. Aber Achtung: Du solltest nicht nur die „nackten“ Zahlen betrachten, sondern vor allem auch ihre Bedeutung analysieren.

Was sagen Dir die Zahlen? Musst Du etwas korrigieren, wenn Du für Dein Buch plötzlich weniger Seiten hast als vorher? Oder liegt das vielleicht daran, dass Du den Text überarbeitet hast und einige Passagen streichen musstest? Nicht immer verraten Dir die Zahlen die ganze Wahrheit. Mach Dir deshalb immer die Mühe, alle Umstände zu berücksichtigen, bevor darüber nachdenkst, Deinen Plan zu ändern.

Wichtig ist, dass Du Dich mit den Ergebnissen Deines Handelns intensiv auseinandersetzt. Erst so bist Du in der Lage zu beurteilen, ob alles gut läuft oder Du ein paar Dinge verändern musst.

Eines ist Dir inzwischen sicherlich klar: Es nützt nichts, die Fortschritte bewusst nicht mehr zu messen oder sie schön zu reden. Es ist menschlich, vor schlechten Ergebnissen den Kopf in den Sand stecken zu wollen. Aber wenn Du wirklich erfolgreich sein willst, musst Du Dich der Wahrheit stellen. Nutze dazu Deinen Start in den Tag und miss Deine Fortschritte regelmäßig!

Wenn Du noch weitere Hilfe benötigst, empfehlen wir Dir unseren „Goalplanner“. Damit bleiben Deine Fortschritte immer sichtbar. Den Goalplanner und das komplette Ziele-Package erhältst Du, wenn Du Dich zu unserem kostenlosen Erfolgsnewsletter anmeldest.


1 Kommentar

  • Hallo zusammen,

    das ist ein toller Artikel, der gerade wie gerufen kommt. Also tue ich den Kopf in den Sand stecken? Das war mir vorher gar nicht bewusst. Aber ja, ich verstecke mich, weil ich Angst habe von den Tatsachen.

    Auf der anderen Seite ist die grundsätzliche Voraussetzung zur regelmäßigen Überprüfung der Fortschritte sicher eins wichtig: klar definierte Ziele, die messbar sind!!

    Und bei einer Diät ist das einfach. Bei Sport ist das etwas schwerer. Aber bei wichtigen Veränderungen der Persönlichkeit ist das fast unmöglich.

    Wann ist mein Ziel erreicht? Diese Frage sollte man sich zuerst stellen.

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